#Uraufführung: PARERGON ZUM DEUTSCHEN REQUIEM VON JOHANNES BRAHMS

Johannes X. Schachtner:

PARERGON ZUM DEUTSCHEN REQUIEM VON JOHANNES BRAHMS

für Sopran, Bariton, Chor und Klavier zu vier Händen

frei nach Werken von Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Robert Schumann und Johannes Brahms (2017/2018)

I. Selig, die da Leid tragen (Johann Sebastian Bach / Heinrich Schütz)
II. Seht an das Gotteslamm / Halleluja (Georg Friedrich Händel)
III. Erbarme dich (Johann Sebastian Bach)
IV. Epitaphium (Robert Schumann / Johannes X. Schachtner)
V. Ich weiß, dass mein Erlöser lebet (Georg Friedrich Händel)
VI. Denn es geht dem Menschen (Johannes Brahms aus „Vier ernste Gesänge“)
VII. Selig sind die Toten (Heinrich Schütz)

Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms ist einer der großen Monolithe der Musikgeschichte.
Mehrmals durfte ich mich dem Werk als Dirigent beschäftigen, jedesmal wuchs die Faszination für die so eigenständige Werkkonzeption, die Unmittelbarkeit der musikalischen Sprache und dieser umwerfenden Präzision.
Schönbergs Aphorismus über „den neuen Wein in alten Schläuchen“ ist in diesem Zusammenhang geradezu überstrapaziert worden, aber natürlich passt er gerade auch zu diesem Werk.
Folgt man dieser Spur, findet sich genau in der Enstehungsgeschichte der Urau
fführung erstaunliches: bei der ersten Aufführung in Wien im Jahr 1867 wurden nach den ersten beiden Sätzen Werke aus Händels „Messias“ gesungen, ein Violin-Solo von Joseph Joachim gespielt sowie das Alt-Solo „Erbarme Dich“ aus der Matthäus-Passion.
Bei der sechssätzigen Au
fführung am Karfreitag 1868 in Bremen, die heute als Uraufführung gilt, wurde noch die Messias-Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ statt des Sopran-Solos gesungen.
Natürlich kann man diese Werke nicht als Blaupause bezeichnen, ja noch nicht einmal sind Zitate deutlich nachweisbar, aber sieht man diese Werke im Zusammenhang, kann man einen inneren Zusammenhalt spüren.

Hier setzt mein „Parergon zum Deutschen Requiem“ an: es soll diese innere Zusammenhänge offen legen, musikalisch erfahrbar machen, ohne dass dieser musik-historische Aufhänger in irgendeiner Art bei der Rezeption von Bedeutung ist.
Die Dramartugie meiner siebensätzigen Zusammenstellung folgt der des Requiem.

Für diesen Zweck habe ich die Werke der beiden Uraufführungen um drei besondere Werke ergänzt: zwei Schütz-Motteten und das Präludium zur Bach-Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“. Diese drei Werke fanden sich in der umfangreichen Privatbibliothek von Johannes Brahms und von diesen Werken sind doch gestische und zum Teil auch motivische Spuren im „Deutschen Requiem“ zu finden.

Sie haben wohl tatsächlich als Impulsgeber für seine Komposition funktioniert.

Diese recht strenge formale und inhaltliche Konstellation, die etwas halb so lang ist wie das Bezugswerk war für mich nun wiederum der Impuls für meine kompositorische Arbeit.
Dabei gehe ich nicht von einer Au
fführung für großes Orchester aus, sondern von der auch zu Brahms’ Lebzeiten gängigen Aufführung mit Klavier zu vier Händen. So enstanden zu allen Originalwerken neue, zum Teil sehr eigenständige Klavierstimmen — bei dieser Arbeit habe ich mich auch von den überlieferten Contiuo-Aussetzungen Bach’scher Arien inspieren lassen. Genauso wie der Anfang und das Ende von neukomponierten Meditationen umrahmt wird, habe ich schließlich das Violin-Solo von Joseph Joachim durch eine eigene Reflexion ersetzt.

In diese schlich sich auch noch ein anderes Werk, das für mich immer innerlich im Zusammenhang mit dem Brahm’schen Requiem klingt: das Thema der Geistervariationen von Schumann, das Brahms später ebenfalls variierte.

Dass das Werk auch für Brahms nicht folgenlos blieb, zeigen seine „Vier ernsten Gesänge“, die nur kurze Zeit vor seinem Tod entstanden. Besonders der erste Satz verweist auf den Tonfall des „Deutschen Requiem“. Dieser Satz bildet als 6. Satz und so kommt Brahms in diesem „Nebenwerk (Parergon)“ noch selbst zu Wort. 

Uraufführung:
24. März 2019, Gauting
Sibylla Duffe (Sopran)
Florian Prey (Bariton)
Halina Bertram und Lauriane Follonier, Klavier
Johannes X. Schachtner, Leitung

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